#WorkingMums: Kinder und Karriere - passt das zusammen?

Tina und Yasmin sind schon seit mehreren Jahren bei Academic Work. Beide haben als Recruiterinnen im kaufmännischen Bereich angefangen und sind anschließend Team Managerinnen geworden. Nach ihrer Elternzeit sind sie nun wieder in ihren alten Positionen eingestiegen. Pünktlich zum Weltfrauentag haben wir die beiden gefragt, wie sie Karriere und Familie erfolgreich vereinbaren und wie Arbeitgeber Eltern zukünftig noch besser unterstützen können.

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Tina, du bist dieses Jahr zum „Leader of the Year“ gewählt worden, Yasmin du warst immer unter den erfolgreichsten Recruitern und bist seit mehreren Jahren Team Managerin. Was sind eure Tipps, um erfolgreich im Job zu sein?

Tina: Für mich spielt ein gutes Teamgefüge eine große Rolle, sodass man in einer ehrlichen und vertrauensvollen Umgebung arbeiten kann. Das gilt sowohl für mein Team, das ich leite, als auch für das Branch-Management-Team (Standort-Team), indem alle Team Manager und unser Standortleiter sind. Ich bin jemand, der mit viel Ehrlichkeit und Offenheit führt und alles bespricht, was mir oder meinem Team auf dem Herzen liegt. Wir haben einfach einen sehr engen Austausch und dadurch bekomme ich auch viel zurück.

Yasmin: Für mich ist noch wichtig, dass ich mir klare Ziele setze, um erfolgreich zu sein. Ich habe ein langfristiges Ziel, das ich dann auf kleinere Ziele bis hin zu Tageszielen herunterbreche. Ich war mir immer recht sicher, dass ich eine gute Führungskraft wäre. Um dahin zu kommen, musste ich mich erstmal in meinem Job beweisen. Daraus haben sich dann weitere Chancen entwickelt. 

Tina: Für mich spielen außerdem Vertrauen, Rückendeckung und Unterstützung durch meine Kollegen und das Management eine große Rolle. Dass man ein gutes Gefühl im Job hat und nicht als Einzelkämpfer unterwegs ist.

Was erwartet ihr von eurem Arbeitgeber? 

Yasmin: Ich finde Flexibilität und Verständnis wichtig. Die Kinder sind oft krank, da muss man auch mal früher gehen. Ich arbeite in Teilzeit drei Tage pro Woche. Man sollte deswegen kein schlechtes Gewissen haben müssen.

Tina: Definitiv Vertrauen und Flexibilität. Die Möglichkeit, etwas im Home Office zu erledigen oder mal die Tage zu switchen. Und natürlich den Rückhalt, dass es ok ist, sich um sein krankes Kind zu kümmern. Leider darf die Familie nicht bei jedem Arbeitgeber an erster Stelle stehen. Bei uns aber zum Glück schon.

Yasmin: Und trotzdem möchte ich in meiner Position für voll genommen und nicht als Mutti abgestempelt werden, die den Kopf sowieso woanders hat. Schließlich arbeiten wir dafür wieder. Da wollen wir auch was reißen!

Tina: Genau, wir haben die gleichen Ziele wie alle anderen und werden auch nicht mit Samthandschuhen angefasst.

Wie organisiert ihr und eure Partner Job und Familie?

Yasmin: Ich habe Glück, dass mein Mann selbstständig arbeitet und sehr flexibel ist. An den Tagen, an denen ich arbeite, bringt er die Kleine in die Kita, holt sie um 16 Uhr wieder ab und kümmert sich dann um sie bis ich um 18 Uhr nach Hause komme. Grundsätzlich erfordert es einfach viel Absprache mit dem Arbeitgeber. Schwieriger finde ich unvorhergesehen Dinge wie Krankheiten. Ich plane sehr gerne und das ist für mich schon eine Herausforderung.

Tina: Man muss seinen Weg finden. Wir bringen unseren Sohn morgens abwechselnd in die Kita, je nachdem, wer den ersten Termin am Morgen hat. Ich hole ihn immer nachmittags ab, das passt mir ganz gut. Vieles pendelt sich auch mit der Zeit ein.

Yasmin: Man muss vereinbaren lernen, wenn das Kind krank ist. Gerade diese Woche war meine Tochter krank und ich wollte trotzdem unbedingt in die Arbeit. Mein Mann ist eingesprungen und ich übernehme die anderen Tage. Klare Strukturen sind nötig, sonst endet es im Chaos.

Tina: Mit Familie muss man sich viel besser strukturieren und planen. Früher war es nur der Job, man hat den Tag genutzt und ist abends heimgegangen, wenn man fertig war. Jetzt müssen wir die Arbeit auf den Punkt geschafft haben.

Yasmin: Aber man wird auch effektiver mit Kind. Man ist nur für eine gewisse Zeit erreichbar und da muss alles klappen. Nicht, dass man vorher ineffektiver war, aber man hat mehr Raum für Gespräche gelassen.

Wie können zukünftige Arbeitsmodelle eurer Meinung nach aussehen?

Tina: Wir hatten schon mal über eine integrierte Kita nachgedacht.

Yasmin: Jobsharing kann zum Beispiel eine Option sein. Gute Absprachen sind dabei sehr wichtig, aber das ist auch in einer Führungsposition machbar. Man muss es einfach mal ausprobieren! Ich habe allerdings den Eindruck, dass es gegenüber Jobsharing noch viele Vorbehalte gibt. 

Tina: Viele Mütter haben ja eine gute Ausbildung und sich oftmals schon sehr gut weiterentwickelt im Unternehmen. Und „nur“ weil man während der Elternzeit ein oder zwei Jahre raus war, bedeutet das nicht, dass man nun weniger qualifiziert wäre. Es wäre für Unternehmen schade, wenn sie auf diese erfahrenen Arbeitskräfte verzichten würden. Auf lange Sicht müssen sich Unternehmen da schon umstellen.

Yasmin: Das glaube ich auch, aber es könnte noch dauern und ist sehr vom Vorgesetzten abhängig. Viele setzen sich nicht damit auseinander, wie man Eltern wieder gut integrieren kann. Natürlich braucht man wieder eine Einarbeitung, aber dies geht relativ schnell und innerhalb von 2-3 Monaten ist man wieder voll drin. Dann braucht es flexible Arbeitsmodelle mit gewissen Stundenzahlen, die man frei einteilen kann, und eventuell auch abends, wenn das Kind schläft, noch arbeiten kann. Die Basis ist Vertrauen in die Mitarbeiter zu haben.

Tina: Es hängt auch viel von der Position selbst ab. Mache Aufgaben kann man gut im Home Office erledigen, bei manchen muss man präsent und für das Team greifbar sein.

Yasmin: Für uns als Führungskräfte macht Home Office manchmal auch keinen Sinn, weil wir da sein müssen. Im Home Office ist da schon eine Barriere. Wir sind auf der ersten Führungsebene, aber als Standortleiter in Teilzeit zu arbeiten ist sicher schwieriger. Das ginge wahrscheinlich nur, wenn man den Job schon lange gemacht hat. Aber manchmal frage ich mich, wenn es auf unserer Ebene geht, warum sollte es auf einer höheren nicht gehen?

Tina: Auch das könnte funktionieren, weil du eher strategisch arbeitest und vieles nicht ad-hoc an dem Tag gemacht werden muss. Das kann man sich sogar besser einteilen. Aber in der Rolle des Standortleiters sollte man schon meistens im Büro präsent sein. 

Yasmin: Findest du?

Tina: Findest du nicht?

Yasmin: Ich habe mich das auch schon mal gefragt. Wie wäre es, wenn unser Standortleiter jeden Tag um 15 Uhr gehen würde und stattdessen abends noch E-Mails beantworten würde?

Tina: Das können wir ihm ja mal vorschlagen, er ist ja auch Papa.

Yasmin: Früher konnte ich mir meine Rolle als Team Manager auch nicht in Teilzeit vorstellen. Aber natürlich geht es auch. Dinge einfach mal auszuprobieren und eine andere Perspektive einzunehmen ist bei zukünftigen Modellen sehr wichtig.

Tina: Ich muss ehrlich sagen, dass ich meinen Job besser ausführen kann, wenn ich nur eine Rolle habe. Früher war ich neben der Rolle als Team Manager gleichzeitig noch im operativen Geschäft. Heute sind wir als Team Manager nur für die Teamführung zuständig und können uns voll und ganz darauf konzentrieren. Das ist ein Modell, über das wir zukünftig noch mehr nachdenken sollten: Weniger Positionen mit mehreren Rollen, sondern fokussiert auf einen Bereich.

Beide: Insgesamt gibt es keine besseren oder schlechteren Modelle. Manche Frauen sind super happy, wenn sie zu Hause bleiben. Ich habe großen Respekt davor, wenn man das so machen möchte. Jeder muss seinen Weg finden – egal ob man gerne Teilzeit oder Vollzeit arbeiten oder einfach ganz zu Hause bleiben möchte!

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